Type Directors Club Deutschland
wettbewerb

TDC55: Fünfundfünfzigste Type Directors Club Ausstellung

Ich bin in Mailand, Italien, geboren. In einer Stadt (so heißt es), die berüchtigt ist für die hohe Qualität ihres Designs. Die alten Meister des Fachs entstammten der Universitätsfakultät für Architektur, in der ironischerweise nach perfekter italienischer Manier überhaupt keine Kurse in Grafikdesign angeboten wurden. Sie studierten Palladio, Le Corbusier und Mies Van der Rohe. Aber wegen Italiens miserabler Wirtschaftslage und dem Mangel an Jobs für Architekten, endeten sie schließlich als Designer für Kataloge, Poster und Verpackungen. Ihr erklärtes Dogma war das Modernistische mit reinen Farben: schwarz, weiß, grau und rot (als die "unkonventionelle" Alternative) und natürlich Helvetica oder Bodoni als die Schriftarten schlechthin.

Als junger Architekturstudent mit Interesse an Grafikdesign hätte das eigentlich auch mein Weg sein müssen. Dann jedoch passierte glücklicherweise etwas, was meine Welt in drastischer und unerwarteter Weise erschütterte: Ich kaufte mir das Jahrbuch Nummer 9 des Type Directors Club (TDC34). Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie überrascht ich war, als mir plötzlich klar wurde, dass es mehr als zwei Schriftarten auf der Welt gibt und, dem lieben Gott sei Dank, die Arbeiten von Louise Fili, Carin Goldberg, Paula Scher, Robert Valentine, Joe Duffy, Charles Spencer Anderson, Steven Tolleson, Jennifer Morla und Sharon Werner.

Das war, um es vorsichtig auszudrücken, ein sehr wichtiger Moment in meiner Karriere; im Grunde genommen war es der Moment, als meine Karriere wirklich begann. Das TDC-Jahrbuch wurde zu meiner Wissensbibel; ich kopierte mir jede einzelne Seite mit meinem superteueren Macintosh Fx, der gerade mal über beeindruckende 4MB RAM verfügte.

Diesem Buch verdanke ich, dass ich mittlerweile in New York City lebe, wo ich ein florierendes Unternehmen habe. Ich gehe mit den Leuten Mittagessen, deren Arbeiten ich durch das Jahrbuch kennen und schätzen gelernt habe und stehe zugleich im direkten Wettbewerb um Jobs mit ihnen. Als Vorsitzender für den TDC-Wettbewerb bin ich außerdem gerade Kunde von Sharon Werner, der Designerin des Jahrbuchs Nummer 30! Unglaublich! Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit habe, die Werte und Bedeutung des Type Directors Club mit anderen teilen zu können, genauso wie die Vision und den Einsatz mit all denen, die so hart daran arbeiten, um dieses Buch überhaupt erst für uns möglich zu machen. Mein größter Wunsch ist es, dass die Werke, die unsere wunderbare Jury ausgewählt hat, andere Designer inspirieren und ihnen das nötige Wissen vermitteln, so wie es bei mir der Fall war.

Matteo Bologna,
Chairman TDC55